| Sabine
Müller-Funk |
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Sabine
Müller-Funk
Hauptplatz 24
2095 Drosendorf/Thaya
02915 27 65
0650 534 62 63
sabine.mueller-funk@gmx.at
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Biographie |
Jahrgang 1958, 1981-88 Studium der
Malerei, Akademie der Bildenden Künste in München, 1991
Internationaler Jutta-Cuny-Franz-Preis, Ankäufe durch das Land
Niederösterreich, das BMUK und das Kunstmuseum Düsseldorf.
Mitglied des BVÖ und der blaugelbenZwettl Lebt in Drosendorf (NÖ.)
und Wien.
Malerei, Installationen, Skulpturen, Photographie, Gestaltung in
öffentlichen und privaten Räumen.
Die Künstlerin beschäftigt sich mit den Themen Gedächtnis,
Erinnerung, Schrift und Archivierung.
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Ausstellungen
(Auswahl) |
2008
Wien: Galerie artmark: „Erfahrungen“
Wien, Akademie der bild. Künste, Kunsthalle Wien projektspace:
„zoomandscale“ : MAP:THIS IS NOT A MAP im Rahmen des Intern.
Symposiums
“art and cartography- cartography and art”
2007
Galerie Geyling ,Wien (E)
Literaturhaus Wien (E)
Wien: Wissen-Schafft-Fragen: 24 Dialoge zwischen
NaturwissenschaftlerInnen und KünstlerInnen
2006
Kunst in der Natur, Wachtberg/Gars NÖ: TOKYO-GARS-SUPERDICHTE
Kunstsymposion rusenske lom nature parc, Ruse ,Bulgarien:SCHICHTUNGEN
Waldviertelfestival NÖ: UMBRUCH landart-aktion
Galerie Arcade, Mödling / Wien: „zu Texten“
DOK Dokumentationszentrum für moderne Kunst St. Pölten:
Schriftbild-Mitschrift
Art in nature symposion, Abiko /Japan : HERE – TOGETHER
Wien, ÖBV: “Projekt “Speicherglas “ (Symposien, Buch, 52 Skulpturen
)
2005
Österreichisches Kulturforum, Bratislava (E)
Kulturbrücke St. Pölten (E)
Wien, Naschmarkt: NASCHMARKT-BE-SCHREIBUNG (Performance)
Galerie Gut Gasteil ,Prigglitz, (NÖ) Kunst in der Landschaft:
MEMBRANE DES JETZT
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2004
Galerie BLAU-GELBE ZWETTL SPEICHERGLAS
Internationales Kunstsymposion ON THE ROAD.STILL Drosendorf /NÖ):
Straßenschrift
Kunsthaus, Horn: ”One a day “ - Künstlertagebücher
Galerie Eco-Plus, Wien: Jubiläumsausstellung
2003
Galerie Arkade (Mödling/Wien) Anibas - Müller-Funk
2002
Galerie Eco-Plus Wien (E)
Einweihung Glas-Stein- Altar Wilfersdorf
Galerie „Blau-Gelbe Zwettl”: Positionen zwischen Strichen
2001 Galerie Hilde Metz, Antwerpen/B
Einweihung Glasfenster, Stephanskirche Baden/NÖ
2000
Galerie Strobele, Borgo/I
Kunstmuseum Düsseldorf/D
Galerie Labor, Graz
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Text:
Sabine Müller-Funk |
Glas
verwende ich als Trägerplatte
für frei schwebende Ausschnitte
von Gesamtzusammenhängen,
als Ort der Zeitlosigkeit und
Indifferenz, als Kreuzungspunkt
zwischen Transzendenz und
Immanenz, als komprimierte
Leere, die den Beobachter in sich
hineinzieht, als Verweis auf die
Sehnsucht nach der Ferne,
dem Anderen.
Spuren im Glas, Horizontlinien,
Ausschnitte des Erdkreises ver-
weisen auf den Erdmittelpunkt,
aber gleichzeitig auf das
undarstellbare Zentrum
allen Ursprungs.
Die anderen von mir verwendeten
Materialien wie Holz, Blei, Sand
sind Gegensätze:
Materialien des Diesseitigen -
lichtundurchlässig, verwitternd,
verbrennbar, der Verwandlung,
dem Tod unterworfen |
Arbeiten |
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                   |
Text:
Sabine Müller-Funk
1998 |
Auf
verfestigter Flüssigkeit
die Landschaft durchschreiten,
ohne Kontakt zu ihr,
mit dem gleichen Abstand
wie zur Vertikalen der Wolken,
ganz oben. Distanziert gehen,
direkt über der Horizontalen,
auf dem stets gleichen Boden,
auf zwanzig vorwärts gehobenen,
getragenen und nieder-
gelegten Glasplatten,
auf einem Boden, der sich
im Fort-Schritt der Zeit bewegt. |
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Ulrich
J. Beil
Geschichten von Licht und Schwerkraft
Zu den Skulpturen von Sabine Müller-Funk |
Es
umgibt, umstellt uns unausgesetzt, so daß wir es kaum mehr wahrnehmen
- es sei denn, es blendet uns, sticht uns grell in die Augen: Glas.
Wir
kennen es als so unsichtbaren wie unverzichtbaren Gebrauchsgegenstand,
als Behälter für Wasser oder Wein, wir kennen es als Fenster,
nicht
zuletzt auch, wenn wir an die Kathedralkunst von Saint-Denis, Reims
oder
Chartres denken, als mineralisch glimmendes Fenster zur Transzendenz:
Vorschein einer eschatologischen Durch-lichtung der Welt, supplementärer
Kristall vor dem Kristall, der uns am Ende erwartet.
"Und dann kam das Abschiednehmen derer, die hineinfahren wollten
ins
unbekannte gläserne Land" (P. Scheerbart, "Die große
Revolution").
Wer Glas, wie Sabine Müller-Funk, als Material für seine
künst-lerische
Arbeit bevorzugt, tut dies nicht ohne einen gewissen Wagemut. Denn
Glas
gehorcht den Händen nicht wie Ton oder Wachs, selbst Holz wirkt
vergleichsweise nachgiebig. Vielmehr setzt es dem, der es benutzen
will,
seine Sperrigkeit, seinen unerbittlichen Widerstand entgegen, und
es
ist, als seien Zeitwörter wie Klirren, Splittern, Zerbrechen
mit ihren
harten Konsonanten eigens für das Glas erfunden worden, auch
die
Metapher der "Scherben", die wir im Sprichwort hartnäckig
auf künftiges
Glück verpflichten. So bedrohlich uns das Glas auf der einen
Seite
freilich vorkommen mag, so selbst- und wesenlos erscheint es auf der
anderen. Diese seltsame Indifferenz teilt das Glas mit dem Papier,
ja,
es verstärkt sie noch, da man den Eindruck gewinnen kann, als
sei da,
bevor es geritzt, zerschnitten, zerstückelt worden ist, NICHTS,
als
werde hier mit nichts als Licht oder Luft gearbeitet. |
Sabine
Müller-Funk geht mit Glas wie mit einer Art "magischen
Tafel" um,
einer Materie, die das Materielle zugleich hinter sich läßt,
hinüberspielt ins Immaterielle, Metaphysische. Ihre Kunst ist
auf den
ersten Blick als Auslegung dieser fundamentalen Spannung lesbar,
und
zwar so, als korrespondiere die dem gläsernen Stoff eigentümliche
Polarität mit Gegensätzen in uns selbst, in unserer Psyche,
als spiegle
sich im Glas etwas von jenen beiden Seelen, von denen im "Faust"
die
Rede ist. Denn Glas, so wie es uns die Künstlerin begreiflich
macht,
vermag sich auf höchst diskrete Weise zurückzuziehen,
die
Schwerelosigkeit einer Bleistiftzeichnung anzunehmen, ja, zuweilen
wird
es nur dank haarfeiner Ränder, Schnittstellen erkennbar, von
dort her
gleichsam, wo sein kaum merkliches Schimmern endet. So glaubt man
es
hier und da mit Vitrinen zu tun zu haben, die nicht als Behältnis
für
"Anderes", das "eigentliche" künstlerische
Arrangement dienen, das
kubisch einzuschließen wäre, sondern sich, ganz im Gegenteil,
zum
Betrachter hin auffächern, öffnen, ihre Splitter wie Wundmale
vorzeigen.
Das heißt nichts anderes, als daß sie sich gleichsam
selbst ausstellen
(daß sie ihr Ausstellen ausstellen).
Immer wieder spielt Sabine Müller-Funk mit dem Phantom der
"Ab-wesenheit" des Glases, seiner vermeintlichen "Nicht-Existenz".
Dadurch gelingen wunderbarmagische Inszenierungen, es gelingt
beispielsweise, Farbe aus den gewohnten Kontexten, den Leinwänden,
Rahmen und Farbtöpfen zu befreien und sie in feinen Spuren,
Schnipseln,
als werde das Blau, das Gelb, das Rot sukzessive unabhängig,
durch die
|
Luft
schweben, ja, gleichsam zu sich selbst kommen zu lassen. Man könnte
von einer Mimesis des Imaginären sprechen, die den Betrachter
verzaubert, ohne doch je zu mystifizieren, da sie zugleich immer
durchschaubar bleibt, die Prinzipien jedes Vorgangs offenlegt. Auch
wenn
Glas alles andere als ein fernöstliches Material ist, so dient
es der
Künstlerin doch immer von neuem dazu, eine Leichtigkeit zu erzeugen,
wie
wir sie von japanischen Tuschezeichnungen (Sesshu etwa) oder Haikus
kennen. Und zuweilen wirkt es so, als habe da jemand asiatische
Spiritualität in einen höchst westlichen, für die Aufklärung
exemplarischen "Stoff" übersetzt - auf eine Weise,
wie sie uns auch in
den architektonischen Konzepten des Bauhauses oder Bruno Tauts
"Gläserner Kette" begegnet.
Aber kaum je verheimlicht Sabine Müller-Funk den anderen Pol
des Glases,
seine Teilhabe an der Schwerkraft, der Materie. Denn Glas läßt
sich
durchaus auch massiv, fast aufdringlich in den Raum plazieren, es
läßt
sich zu kompakten Würfeln oder Quadern zusammenpressen - die
dann
gelegentlich wie ein Stück Packeis wirken, das verwundert durch
einen
hellen Glaskorridor irrt. Die Gegensätze verschärfen sich
noch, sobald
Glas auf andere, zutiefst andersartige Materialien trifft, sich etwa
keilartig in einen Bleikörper hineinbohrt, als sei es der härtere,
unverwüstlichere Stoff, ihn auseinanderspreizt oder zu sprengen
versucht. Auch scheint es, anders als Licht oder Wasser, auf einmal
in
der Lage, schwere Steinbarrieren zu durchdringen, als seien sie
überhaupt nicht vorhanden, oder dunklen schweren Klötzen
mit gezielt |
gestochenen
Splittern Wunden beizubringen, die sich zugleich als
Befreiung, Erlösung von der Schwerkraft deuten lassen. Zumeist
aber
genügt das gläserne Ensemble als solches, um die unentwegt
angestrebte
Polarität und die aus ihr sich ergebenden Verkehrungen und Paradoxien
darzustellen. Dann treten die äußersten Möglichkeiten
des Materials
selbst in Beziehung zueinander, führen, um mit Bachtin zu sprechen,
einen durchaus disharmonischen "Dialog".
Der hierbei naheliegenden Versuchung, das Massig-Schwere und das
Schwerelos-Transparente sich verschränken, nach Art der Kristalle
und
Mineralien ineinanderwirbeln zu lassen, widersteht Sabine Müller-Funk.
Ganz offensichtlich scheut sie die labyrinthische Verwirrung als eine
hybride, nach Borges nur Gott selbst vorbehaltene Kunst. Statt die
Betrachter mit esoterischer Geheimniskrämerei zu traktieren,
zieht sie
es vor, mit offenen Karten zu spielen: bemüht sie sich doch,
an unser
Abstraktionsvermögen appellierend, stets von neuem, mit möglichst
sparsamen Mitteln Ordnung zu erzeugen, die vorgeführten Prozesse
transparent und begreiflich zu machen. Sie zeigt, was sie tut, während
sie es tut. Und doch handelt es sich, bei allem Bewußtsein von
der
Konstruktivität des künstlerischen Vorgangs, keineswegs
um reines
Aufklären, ein Projekt der Durchlichtung dunkler Materien, der
Transzendierung dessen, was sich mit der Vorstellung von Erde, Mythos,
chthonischen Gottheiten verbindet. Vielmehr wäre von einem Unternehmen
zu sprechen, das sich der Spannung zwischen diesen elementaren Bereichen
wieder und wieder auszusetzen versucht und zugleich auf der DIFFERENZ
|
zwischen
ihnen besteht. Das bedeutet: immer von neuem dialektisch zu
operieren, aber die Dialektik als solche, als, um mit Benjamin zu
sprechen, "Dialektik im Stillstand", vorzuführen und
sich dem Anspruch
der Synthese ebenso zu verweigern wie der Herausforderung des
Labyrinths.
Eine weitgehend abstrakte Kunst also, reduzierbar auf wenige Kräfte
und
prägnante Formeln? Wer sich auf diese Skulpturen länger
als einen
Augenblick einläßt, bemerkt alsbald, daß sie mehr
zu bieten haben - ja,
daß sie, wie die mittelalterliche Kunst der Glasfenster, nicht
davor
zurückscheuen, etwas zu ERZÄHLEN. Sie erzählen freilich
nur dem, der
bereit ist, in der jeweils stillgestellten Form Phasen zu erkennen,
eine
genau und konsequent gestaltete Abfolge unterschiedlicher
Aggregatzustände. Man stößt dann nicht nur auf aschefarbenes
Gras, das
sich gegen Packeisplatten aufbäumt - das Biegsame gegen das Harte
-,
sondern auch auf eine regelrechte Geschichte: Die Geschichte von
Eisplatten, die von einer anonymen Kraft solange bearbeitet werden,
bis
sie ihren vorherigen Zustand - "Un navire pris dans le ple, /Comme
en un
piege de cristal" heißt es in Baudelaires "L'irremdiable"
- weitgehend
überwunden haben. Man könnte "Nichts setzt Etwas Widerstand
entgegen- I"
auch von oben nach unten und von links nach rechts lesen, wie einen
geschriebenen Text, aber Sabine Müller-Funk tut alles, um den
Leser/Betrachter rechts unten, bei der verfestigten, gleichsam noch
in
sich selbst gefangenen Materie beginnen zu lassen. Es ereignet sich
dann
stückweise etwas, das man Erleichterung, Befreiung nennen könnte:
Das |
Geschehen
schlägt eine unverkennbar utopische Richtung ein, und es ist,
als würden die anfangs heillos ineinander verkeilten, sich selbst
blockierenden Zeilen dieses gläsernen Textes allmählich
an Schwerkraft
verlieren, sich mit glitzernden Flügeln über ihr einstiges
Dasein
erheben - abheben dorthin, wo sie von Luft, vom "Jenseits"
des
Kunstwerks, kaum mehr unterscheidbar sind.
Wie Wolfgang Kemp gezeigt hat, lassen sich auch die mittelalterlichen
Glasfenster, etwa das Fenster des Verlorenen Sohnes in Bourges, in
verschiedene Richtungen lesen, wobei das paradigmatische Interesse
mit
dem syntagmatischen konkurriert und es nicht selten übertrifft:
"Wir
haben also nicht nur eine, sondern drei semantische Achsen oder
Richtungssinne: die Horizontale der Bildsequenz, die Vertikale der
antithetischen Bildpaare und die Kreisstruktur der Schrift, der
Randeinfassung und der geschlossenen Geschehensführung der Parabel"
("Sermo corporeus"). Bei Sabine Müller-Funk scheint
das Gewicht zunächst
auf dem Syntagma zu liegen, auf der metonymischen Umbenennung,
Umdefinition einer einmal gewählten bildhauerischen Voraussetzung.
Diese
wird so lange variiert, nach den Regeln einer in und mit dem Material
entwickelten Grammatik abgewandelt, bis innerhalb der Logik der Abfolge
und der Staffelungen ("Topologik" nennt es Kemp) ein paradigmatisches
Moment aufblitzt, das das Hic-et-nunc der "Erzählung"
transzendiert.
Manche Skulpturen geraten bei der Betrachtung derart in Bewegung,
daß
man einer Filmvorführung beizuwohnen glaubt. Angesichts der mit
"95/3"
gekennzeichneten Arbeit gewinnt man den Eindruck, ein Film werde |
abwechselnd
- oder gar synchron - vor- und zurückgespult und die
Installation bleibe keine Sekunde in Ruhe: Einmal ist es, als ob sich
die Glasplättchen aus ihrem smaragdgrünen Verlies (eingelassen
in einen
khakifarbenen Felsblock) erheben wür-den, Bild für Bild,
in Zeitlupe,
bis sich die Sequenzen nach oben hin, in einem undefinierbaren Anderswo,
verlieren. Dann wieder scheint es, als glitten die Plättchen
vom Himmel
herab, ein gläserner Wasserfall, und sammelten sich allmählich
in einem
unterirdischen Bassin. Besonders bemerkenswert ist, wie mit dieser
so
starren, zerbrechlichen Materie immer von neuem Bewegung inszeniert,
Prozesse von großer Folgerichtigkeit in Gang gesetzt werden
- derart,
daß das Glas aufs genaueste mit dem Element des Wassers korrespondiert,
mit dem es ja diese seltsame Wesenlosigkeit, die Transparenz teilt.
Wenn
die Künstlerin auf der einen Seite Glas mit Stein in Berührung
bringt,
in schwere, opake Materialien eindringen läßt, so strebt
sie auf der
anderen eine Metamorphose an, in der Glas zu Wasser wird, zu Tropfen,
zu Regen; und man fühlt sich angeregt, neue Wörter zu erfinden
wie
Glasspritzer, Glasfontäne, Glasfäden, Glasrinnsal... Das
derart
behandelte Glas verliert seine alltägliche Selbstverständlichkeit.
Es
begegnet uns wieder als eine eigentümlich unbestimmte Materie,
weder
ganz Stein noch ganz Wasser, eine Materie, die geradezu auf ihre
bildhauerische Auslegung wartet und die, je nach Arrangement, eine
sei
es opake, sei es liquide Natur offenbart.
"Eine Sammlung der Song, die wir Ni Scheu-yo verdanken, stellt
fest, daß
es in der Grotte Ton-yüang einen Wasserfall gibt, in dem kalte
Jade |
fliegt"
(Roger Caillois, "Steine").
Wenn F. Ponge in "Le Parti Pris des Choses" vom Wasser bemerkt,
es
zeige, auf Grund seines hysterischen Drangs, nur seiner Schwerkraft
zu
gehorchen, Anzeichen von Wahnsinn ("On pourrait presque dire
que l'eau
est folle"), so ließe sich mit gleichem Recht vom Glas
sagen, es sei
schizoid: schwankt es doch zwischen totaler Selbstverleugnung und
geradezu blutiger Aggressivität. Sabine Müller-Funk führt
uns Glas als
DIE Materie der Aufklärung, der Moderne und ihrer immanenten
Utopien
vor, aber sie läßt uns keinen Augenblick daran zweifeln,
daß auch und
gerade dieser lichte, den Erzen und Kristallen äußerlich
so verwandte
Stoff seine eigene Dunkelheit, seine Widerstände, sein tiefseegrünes,
eisiges Geheimnis hat - daß ihn gerade seine Makellosigkeit,
die ihn als
ideales Element für jegliche abstrakte, "geistige"
Kunst empfiehlt, so
anfällig macht und so hilflos.
Zerbrechen, zersplittern muß dieser künstliche Stoff vor
allem dann,
wenn er zur Natur zurückzukehren, sie nachzuahmen versucht und
doch mit
seinen glatten, perfekten Mitteln nur eine unaufhebbare Distanz
formuliert, etwas von dem, was B. Wyss "Trauer der Vollendung"
genannt
hat. |
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